Offene Bibliothek


Das ausgewilderte Buch auf der Parkbank

Ungewöhnliche Wege zum Lesestoff führen über Flohmärkte, in Cafés oder Grünanlagen

Flohmärkte sind eine Fundgrube für Leseratten. Auf Tapeziertischen reiht sich ein Roman an den anderen, in Umzugskartons stapeln sich zerlesene Krimis und Bestseller von gestern. Oft kann der Verkäufer noch ein paar Sätze zum Inhalt erzählen, bevor der Schmöker für ein oder zwei Euro den Besitzer wechselt. Für Menschen, die günstigen Lesestoff wollen und viel Geduld mitbringen, sind Flohmärkte ideal. Wer weniger Zeit hat, nutzt für die Schnäppchensuche Spezialgeschäfte und Kataloge, die sich auf Sonderausgaben und Restposten konzentrieren. Ganz besonders beglückend ist es, ein Buch im Café oder auf der Parkbank zu finden, das von einem so genanntem Bookcrosser "ausgewildert" wurde.

Unternehmen wie die Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg oder der Verlag Zweitausendeins in Frankfurt bieten Romane und Sachbücher zu Schnäppchenpreisen an. "Wir kaufen Zweitverwertungsrechte von Bestsellern und drucken die in großen Auflagen", erklärt Weltbild-Sprecherin Eva Großkinsky. Außerdem bringe der Eigenverlag Sonderausgaben heraus. "Bücher, die wir machen, sind nicht in anderen Buchhandlungen vertreten", erklärt Ralf Kessenich, Mitarbeiter bei Zweitausendeins. "Die Vertriebswege fallen weg, deswegen sind wir günstiger."

Wer aktuelle Bestseller für wenig Geld kaufen will oder einen ganz bestimmten Titel sucht, wird in diesen Läden allerdings selten fündig. Besser stehen die Chancen bei Anbietern im Internet, die gebrauchte Bücher verkaufen. "Das ist ein stark wachsender Markt", sagt Christine Hoeger, Sprecherin des Internetanbieters Amazon.de in München. Auf der Amazon-Homepage wird der Kunde bei der Suche nach einem neuem Buch automatisch auf etwaige Second-Hand-Angebote hingewiesen. Alternativ kann er gezielt im Gebrauchtmarkt suchen. Umgekehrt können gelesene Bücher gegen eine Verkaufsgebühr bei dem Internet-Shop angeboten werden.

Vergriffene Bücher, signierte Ausgaben oder ausländische Titel - mit Hilfe des Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) in Berlin können Leser in 1 400 Antiquariaten aus 19 Ländern nach ihrem Lieblingsbuch stöbern. Die Ergebnisliste enthält Informationen zum Buch und ermöglicht den direkten Preisvergleich. Der Leser kann also entscheiden, ob er für ein sehr gut erhaltenes Buch lieber ein paar Euro mehr zahlen oder möglichst günstig kaufen will. "Sie finden nicht nur populäre Titel und Massenauflagen, sondern auch das heiß geliebte Bilderbuch aus Kindertagen", sagt Anja Nietz, Geschäftsführerin des ZVAB. Der gewünschte Titel kann über die ZVAB-Internetseite direkt beim Händler bestellt werden.

Beim Internetauktionshaus ebay in Kleinmachnow (Brandenburg) bieten fast ausschließlich Privatkunden Bücher an. Vom aktuellen Bestseller bis zum Verlegenheitsgeschenk, das seit Jahren im Regal verstaubt, kommt hier alles unter den Hammer. Mit etwas Glück können Bücherfreunde bei ebay schon für wenige Euro ihren Wunschtitel ersteigern, vorausgesetzt, sie sind als Nutzer registriert. Einstell- und Versandgebühren teilen sich in der Regel Käufer und Verkäufer.

Wer seinen Lesestoff nicht unbedingt im heimischen Regal sammeln möchte, kann bundesweit rund 5 300 Bibliotheken mit hauptamtlichen Mitarbeitern und noch einmal so viele kleinere Büchereien nutzen. "Die städtischen Bibliotheken sollen einen möglichst aktuellen Bestand bereithalten", erklärt Elke Dämpfert, Leiterin der Geschäftsstelle des Deutschen Bibliothekenverbandes (DBV) in Berlin.

Bei der Zusammenstellung des Sortiments werden oft auch Leserwünsche berücksichtigt. Auf der Homepage der Würzburger Bibliothek beispielsweise können Leser neue Titel bestellen. "Die Mitarbeiter versuchen dann, das Buch zu besorgen, und schicken eine Benachrichtigung, sobald es vorliegt", sagt Dämpfert. Aktuelle Bestseller werden allerdings oft nur gegen Extra-Gebühr versandt.

Wer Glück hat, stolpert im Zug, im Park oder in einer Kneipe über ein Buch. "Bookcrosser" lassen ihre Bücher an öffentlichen Plätzen "frei". Der Finder kann anhand einer Nummer auf der Website www.BookCrossing.com nachschauen, wo das Buch schon überall war und den eigenen Fundort eintragen. Nach dem Lesen sollte er das Buch wieder in der Öffentlichkeit liegen lassen - für den nächsten Finder.

Die Idee entstand 2001 in den USA. Inzwischen sind nach Angaben der Gründer rund 430 000 Bücher in 130 Ländern unterwegs. Die Initiatoren bezeichnen "Bookcrossing" also eine "weltweite, offene Bibliothek".

Internetadressen:

www.weltbild.de
www.zweitausendeins.de
www.amazon.de
www.zvab.de
www.ebay.de
www.dbv.de
www.bookcrossing.com

Quelle: Wiesbadener Kurier vom 11.11.2003, Carina Frey


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